3.3. Zusatzstoffe
Zusatzstoffe finden sich übrigens nicht erst seit einigen Jahren in der Nahrung. Im Mittelalter war fein gemahlenes Weißmehl nur für die Adeligen zu bekommen. Findige Bäcker mischten deshalb ihrem Schwarzbrot Chlor oder Knochenmehl bei, um es heller erscheinen zu lassen. Damals galt das aber wenigstens noch als Betrug und nicht als normal. Richtig los ging es dann im 19. Jahrhundert. Die chemische Industrie konnte damals erstmals Farbstoffe herstellen. Das machte die Welt bunt, und alles wurde gefärbt. Papier, Textilien und eben auch Lebensmittel. 1887 wurden erstmals einige der giftigen Farbstoffe verboten. Aber die Politik machte viele Zugeständnisse. Buttergelb (Methylgelb) wurde bis nach dem Zweiten Weltkrieg noch zum Färben von Margarine verwendet, obwohl seit Jahren die krebserregende Wirkung bekannt war. Die deutsche Farbindustrie deckte eben 80 % des Weltmarktbedarfs, und da drückten Politiker schon gerne mal ein Auge zu. Glauben Sie nicht, dass es heute anders ist.
Genau genommen sind Zusatzstoffe eigentlich verboten. Aber sie dürfen trotzdem ausnahmsweise eingesetzt werden,
- wenn technisch notwendig,
- wenn Verbraucher nicht über die schlechte Qualität der Nahrung hinweggetäuscht werden,
- wenn kein gesundheitliches Risiko besteht.
Wird ein Zusatzstoff zugelassen, bekommt er eine E-Nummer. Die kennt jeder von den Zutatenlisten. Der Hersteller kann dann wahlweise entweder den Namen oder die E-Nummer angeben.
Aromen zählen übrigens nicht zu den Zusatzstoffen. Sie gelten als Lebensmittel und benötigen daher auch keine Zulassung.
Im WDR-Wissenschaftsmagazin Quarks & Co. wurde die Nahrungsaufnahme eines typischen Tages eines Vaters und seines Sohnes untersucht. Bei diesem Versuch wurden lediglich vier mögliche Zusatzstoffe berücksichtigt. Trotzdem überschritt der Vater den ADI-Wert von Sulfit (Schwefel) um 10 % und den von Nitrit (Salz) um 43 %. Es gibt aber keinerlei genaue Untersuchung, wie die Masse an Zusatzstoffen, welche heute ein Durchschnittsbürger aufnimmt, langfristig auf die Menschen wirkt.

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