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Discounter-Bio
Kann man Bio beim Discounter kaufen? Gleich mehrere solcher Anfragen per Email erreichten mich. Nachdem das Thema nicht mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten ist, bitte ich um Nachsicht. Dieser Artikel wird sicher etwas länger. Dafür versuche ich alles in Häppchen zu zerteilen und mit einzelnen Bewertungen zu versehen. Ich gehe mal ganz pragmatisch vor, die Ideologie kommt erst ganz am Schluss. 8-)

Grundsätzliches

Beim Discounter wird Bio mit dem Bio-Siegel verkauft. Das ist der Mindest-Standard. Hätte es den nicht, wäre es eben kein Bio. Im Bio-Supermarkt oder im Bio-Laden gibt es ebenso Produkte mit Bio-Siegel, aber auch welche mit darüber hinaus gehenden Standards. Die bekanntesten sind Bioland, Naturland und Demeter. Demeter ist dabei der Verband mit den strengsten Regeln, dort gibt es kaum Kompromisse. D. h. aber eben auch, dass es im Bio-Laden "bessere" Produkte gibt, aber nicht zwangsläufig geben muss. Auf das Bio-Siegel kann man sich verlassen. Natürlich kann niemand ausschließen, dass einzelne schwarze Schafe dagegen verstoßen, aber es wird viel kontrolliert. Ein Lieferant eines Discounters hat zwar sicher den größeren Preisdruck und muss mehr gleichbleibende Masse beschaffen, aber Probleme mit der Ware kommen einem wirtschaftlichen Harakiri gleich.
Fazit:
Basis-Bio gibt es beim Discounter und im Bio Laden. Im Bio-Laden gibt es zusätzlich Premium-Bio.

Obst und Gemüse

Wer Bio-Obst und Bio-Gemüse kauft, der will in erster Linie Produkte, die nicht mit Pestiziden und sonstiger Chemie belastet sind. Hier gibt sich Ware aus dem Bio-Laden und Bio vom Discounter wenig. Die Kontrollen und Standards sind die gleichen. Es kommt immer wieder vor, dass einzelne Produkte leicht belastet sind. Ganz lässt sich das in einer verseuchten Welt eben nicht ausschließen. Regionale Produkte wären zu bevorzugen, da sie keine langen Transportwege haben und daher reifer und frischer sind. Allerdings sind die im Bio-Laden ebenfalls kaum zu bekommen. Selbst eine Gemüse-Abo-Kiste direkt beim Bio-Bauern bietet heutzutage keinen Ausweg. Die Politik hat gnadenlos versagt und es ist in Deutschland einfach nicht genügend Bio-Ware zu bekommen. Im Bio-Laden gibt es daher zum Großteil auch nichts besseres als beim Discounter. Wer Wert auf hohe Qualität und Regionalität legt, hat ein Problem.
Fazit:
Wer einfach nur schadstoffarmes Obst und Gemüse will, kann beim Discounter zugreifen.

Wurst und Fleischwaren

Jetzt werden die Unterschiede schon größer. Die Standards der EU-Bio-Verordnung sind nicht wirklich tierfreundlich. Es ist genauso Massentierhaltung möglich, Schweine dürfen im Dunklen gehalten und Rinder im Stall angebunden werden. Alles besser als im konventionellen Bereich, aber nicht wirklich gut. Da lohnt es sich schon auf höhere Standards zu setzen. Im Bio-Laden gibt es Fleisch von Bioland oder Demeter oder es ist zumindest genau zu erfahren, wo die Waren herkommen. Das schließt Massenproduktion meist aus. Wer sparen will, soll lieber regional beim kleinen Bauern kaufen. Ein konventioneller, kleiner Bauer, der ein paar Tiere hält ist gar keine schlechte Wahl. Man kann sich genau ansehen wie die Tiere gehalten und gefüttert werden. Ich hatte schon den Schwabacher Bauernladen vorgestellt. Dort gibt es "Frischluftschweine" die garantiert ohne Gen-Soja gefüttert wurden.
Fazit:
Discounter-Bio-Wurst ist besser als Discounter-Konventionell-Wurst, zumindest sind die Tiere keine wandelnden Apotheken. Aber Ware aus dem Bio-Laden ist meistens besser.

Milch

Was Milch angeht, ergeben sich deutliche Unterschiede. Zwar ist simple Bio-Siegel-H-Milch vom Discounter genauso gut wie vom Bio-Laden, aber "gut" ist hier eben die falsche Bezeichnung. Eine gute Milch gibt es nicht als H-Milch. Den H-Milch muss zwangsweise homogenisiert werden, ist dadurch aber unverträglicher. Außerdem sollten die Kühe die Hörner haben, wer genaueres wissen will, kann meinen Artikel über Bio-Milch lesen. Die einzige Milch die übrig bleibt, ist also Nicht-Homogenisierte Frischmilch von nicht enthornten Kühen. Diese gibt es im Bio-Laden von Demeter. Alles andere ist OK für den Kaffee, aber als Milch würde ich es eigentlich schon nicht mehr bezeichnen.
Fazit:
Wenn Milch, dann Demeter Frischmilch aus dem Bio-Laden. Sorry, aber das muss sein.

Verarbeitete Produkte

So vielfältig wie die Rubrik "Verarbeitete Produkte" sind auch die Antworten. Fangen wir mal bei Convenience Produkten an. Hier fragen sich sowieso viele, wo da noch der Sinn von Bio ist. Der ist aber durchaus gegeben. Einmal sind die Grundstoffe natürlich weniger belastet und auch die zugelassenen Zusatzstoffe sind im Bio-Bereich deutlich eingeschränkt. Wobei hier nichts anderes übrig bleibt, als auf die Inhaltsstoffe zu schauen. Nun ist es meistens so, dass Hersteller die Bio-Läden beliefern, doch deutlich besser abschneiden als Discounter Produkte. Besser abschneiden meint in diesem Fall, dass eben weniger Zusatzstoffe drin sind. So findet man Schokolade ohne Soja-Lecithin, Kekse und Kuchen haben weniger Hilfsstoffe, statt Zucker wird auch mal Honig eingesetzt und oft auch auf Aroma verzichtet. Man findet dann eben echte Vanille statt Vanille-Aroma. Demeter verbietet beispielsweise Aromen komplett.
Fazit:
Die Produkte aus dem Bio-Laden enthalten meistens weniger Zusatzstoffe. Ein Blick auf die Inhaltsangaben schadet aber nie.

Ideologisches

Gerade für einen LOHAS ist ja strategischer Konsum ein wichtiger Punkt. Ist es moralisch zu vertreten beim Discounter Bio zu kaufen? Nunja, sehen wir es mal pragmatisch. Sicher ist es toll, kleine Bio-Läden zu unterstützen. Das dient der regionalen Wirtschaft und außerdem ist die Bedienung meist sehr kompetent und freundlich. Bei Bio-Supermärkten schwindet dieser Vorteil schon wieder dahin. Sicherlich kein Vergleich zum Discounter, aber die Freundlichkeit und vor allem die Kompetenz nehmen von Jahr zu Jahr ab. Woher soll auch geschultes Personal kommen, dass trotzdem zu vertretbaren Preisen arbeitet? Der Kunde wünscht auch dort in erster Linie einen günstigen Preis, den bekommt er auch. Viele wollen auch gar nicht die persönliche Atmosphäre vom kleinen Laden, wo man spätestens beim dritten Besuch persönlich mit Namen begrüßt wird. Beim Discounter regiert "Billig". Da gibt es sicher nichts was daran unterstützenswert wäre, oder? Das stimmt nicht ganz. Denn wenn alle beim Discounter Bio kaufen, wird das Angebot dort immer größer. Die Chance, dass Bio normal wird und langsam die konventionellen Produkte ablöst, steigt so immer weiter. Also kann es durchaus Sinn machen, beim Discounter Bio zu kaufen. Ein schlechtes Gewissen braucht deswegen keiner zu haben.
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Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 14.05.2008 um 16:54 Uhr.
Stichworte: bio discounter einkaufen
| Permalink | Trackback URI
Wussten Sie schon, dass die Formel für den Body Mass Index aus dem 19. Jahrhundert stammt?
Mehr dazu im Kapitel Normwerte - das leidige Thema.
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Bisher 9 Kommentare:
Michael Leibrecht sagte am 14.05.2008 um 21:05 Uhr:
hallo horst,
danke dir für diese wertvolle information,
so wirds gemacht!!!
Marcell sagte am 15.05.2008 um 18:48 Uhr:
Ich möchte anmerken, dass es auch manchmal gar nicht anders geht.
Ich bin Student und versuche so gut es geht auf qualitativ hochwertige Produkte zu setzen und insbesondere Bioprodukte zu kaufen. Das geht aber angesichts der hohen Preise nicht immer. Von daher halte ich Bioprodukte außerhalb von "echten" Bioläden für einen guten Kompromiss.

Guter Artikel :)
Horst sagte am 18.05.2008 um 11:42 Uhr:
@Marcell: Naja, wenn Du sparen musst, kommt es in erster Linie darauf an, was Du kaufst, nicht wo. Unverarbeitete Produkte, am besten noch sessional gerade verfügbar, sind immer billiger als Verarbeitetes oder Importiertes. Aber so sehr will man sich dann doch wieder garnicht damit beschäftigen. 8-)
Dann ist sicher Bio vom Discounter immer besser als gar kein Bio.
Marcell sagte am 18.05.2008 um 11:54 Uhr:
@Horst
Ob man will oder nicht, man sollte sich damit beschäftigen :)
Horst sagte am 18.05.2008 um 12:10 Uhr:
Ja schon, aber es ist leider fast nicht mehr möglich. Man bekommt von Februar bis Mai einfach kaum Regionales.

Wenn selbst Ökokisten in der "Regional"-Kiste nur ausländische Waren haben, die es theoretisch halt auch Regional geben könnte, dann wird es irgendwann auch mir zuviel.
Marcell sagte am 18.05.2008 um 12:25 Uhr:
Stimmt. Ich wollte damit eigentlich sagen, dass sich vermutlich die wenisgten wirklich Gedanken um ihr essen machen.
lava sagte am 26.07.2008 um 14:37 Uhr:
Der Biofrischemarkt in *zensiert* verwendet abgelaufenes Essen für sein Mittagstisch dies ist kein Gerücht dies ist Realität. Die *zensiert* sind gewissenlose Personen deren Mitarbeiter täglich gedemütigt werden und 12 stunden plus X arbeiten müssen. Dies hat nichts mit bio zu tun.
Dan kann man auch im Rewe Bio-Produkte kaufen.
Horst sagte am 26.07.2008 um 17:00 Uhr:
@lava: Bitte verzeih es mir, aber anonyme Beschuldigungen ohne weitere Belege muss ich leider etwas zensieren.
vital-Genuss.de trackbackte am 15.05.2008 um 09:38 Uhr:
Donnerstagslinks #38
Die Donnerstagslinks, Ausgabe 38. Heute mit der einfachen Antwort auf Hunger-Fragen: Die Dicken sind schuld!, der neuen Hauptstadt der Lohas (nicht München!), einem Demo-Aufruf (in München!) gegen Agrogentechnik, einer neuen LOHAS-Studie sowi...


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